In der Welt von SAP gibt es verschiedene Techniken, mit denen Unternehmen ihre SAP-Instanzen anpassen können, um spezifische Anforderungen zu erfüllen, ohne den Standardcode zu verändern. Diese Anpassungen sind besonders wichtig, um Geschäftsprozesse effizient zu gestalten und sich an unterschiedliche Branchenanforderungen anzupassen. Der Begriff „Customer-Exits“ umfasst eine Reihe von Erweiterungstechniken, die Unternehmen ermöglichen, ihre SAP-Systeme durch kundenspezifische Logik zu erweitern. Dabei gibt es sowohl klassische als auch moderne Techniken, die im Laufe der Zeit weiterentwickelt wurden.
In diesem Artikel beleuchten wir die wichtigsten Anpassungstechniken, wie Customer-Exits, BADI (Business Add-Ins), BAPI (Business Application Programming Interface), das Enhancement Framework sowie Extension Points, BTEs (Business Transaction Events), Menü-Exits, Personalisierungen und Tabellen-Erweiterungstechniken. Wir grenzen diese Techniken voneinander ab und erklären, in welchen Szenarien sie eingesetzt werden.
1. Customer-Exits (klassisch und neu)
Customer-Exits bieten eine Möglichkeit, den Standardcode von SAP zu erweitern, ohne ihn zu verändern. Dabei handelt es sich um spezifische Punkte im SAP-System, an denen Unternehmen eigene Funktionen einfügen können, um ihre Prozesse anzupassen. Es gibt sowohl klassische Customer-Exits als auch neue Customer-Exits, die unter dem Enhancement Framework verfügbar sind.
- Klassische Customer-Exits: Diese wurden in älteren Versionen von SAP verwendet und erlauben es, durch definierte Schnittstellen (z.B.
Function Exits
,Menu Exits
,Screen Exits
) eigene Funktionen hinzuzufügen. - Neue Customer-Exits: Diese nutzen das Enhancement Framework und bieten eine flexiblere und robustere Möglichkeit zur Erweiterung. Sie sind weniger komplex als die klassischen Varianten und erlauben eine bessere Integration in moderne SAP-Systeme.
2. BADI (Business Add-Ins)
BADI (Business Add-In) ist eine der fortschrittlichsten Erweiterungstechniken von SAP und ein wesentliches Konzept des Enhancement Frameworks. BADIs sind objektorientiert und bieten eine erweiterte, strukturierte Möglichkeit zur Erweiterung der SAP-Standardfunktionen.
- BADI Definition: BADIs sind Erweiterungspunkte im SAP-System, die als Schnittstellen fungieren und es ermöglichen, bestimmte Funktionen zu überschreiben oder zu erweitern.
- Vorteile: Im Vergleich zu klassischen Customer-Exits bieten BADIs eine einfachere Implementierung und Verwaltung. Sie ermöglichen die Nutzung mehrerer Implementierungen für denselben BADI, was zu einer besseren Trennung der Anpassungen führt.
Ein häufiges Beispiel für die Nutzung von BADIs ist die Anpassung von Finanzbuchhaltungsprozessen oder die Erweiterung von Sales and Distribution-Funktionen (SD).
3. BAPI (Business Application Programming Interface)
BAPI ist eine Sammlung von standardisierten Schnittstellen, die es externen Systemen ermöglichen, mit SAP zu kommunizieren. BAPIs sind besonders nützlich, wenn es darum geht, Daten zwischen SAP und anderen Anwendungen oder Systemen auszutauschen.
- BAPI-Definition: Ein BAPI stellt eine standardisierte API zur Verfügung, mit der externe Systeme bestimmte SAP-Funktionen aufrufen können, ohne direkten Zugriff auf die SAP-Datenbank zu haben.
- Verwendung: BAPIs werden oft genutzt, um Transaktionen oder Geschäftsprozesse aus externen Systemen zu initiieren, beispielsweise wenn ein externes CRM-System Kundendaten in SAP pflegen möchte.
4. Enhancement Framework mit Extension Points
Das Enhancement Framework ist die moderne und bevorzugte Methode zur Erweiterung von SAP-Systemen. Es ermöglicht die erweiterte Anpassung des Standardcodes und ist flexibler und leistungsfähiger als ältere Techniken wie Customer-Exits.
- Extension Points: Das Enhancement Framework definiert sogenannte Extension Points, an denen spezifische Erweiterungen eingefügt werden können, ohne den Standardcode zu ändern. Diese Erweiterungen werden oft durch Custom Business Add-Ins (BADIs) oder Class Enhancements implementiert.
- Vorteile: Diese Technologie stellt sicher, dass die SAP-Standardanpassungen mit zukünftigen Updates kompatibel bleiben und reduziert so den Aufwand für Systemaktualisierungen.
5. BTE (Business Transaction Events)
BTEs sind ein weiteres Mittel zur Erweiterung von SAP, insbesondere im Bereich der Finanzbuchhaltung und Bankenprozesse. Sie ermöglichen es, spezifische Geschäftsereignisse (wie Zahlungen oder Buchungen) zu erweitern, ohne in den Standardprozess einzugreifen.
- Definition und Verwendung: BTEs ermöglichen es, zusätzliche Logik in SAP zu integrieren, die ausgelöst wird, wenn ein spezifisches Geschäftsereignis eintritt, z.B. wenn eine Zahlung verarbeitet oder ein Konto aktualisiert wird.
- Vorteile: Sie sind besonders nützlich, um benutzerdefinierte Geschäftslogik an bestimmten Stellen eines Geschäftsprozesses zu implementieren, und sind oft ein wichtiger Bestandteil von Bank- und Finanzprozessen.
6. Menü-Exits
Menü-Exits erlauben es, benutzerdefinierte Funktionen in das SAP-Menü zu integrieren. Dies bedeutet, dass Benutzer auf benutzerdefinierte Transaktionen oder Programme zugreifen können, die spezifisch für das Unternehmen sind.
- Verwendung: Menü-Exits können verwendet werden, um neue Funktionen oder Berichte hinzuzufügen, die im klassischen SAP-Menü erscheinen.
- Besondere Merkmale: Diese Technik hat den Vorteil, dass sie eine einfache Möglichkeit zur Erweiterung des SAP-Menüs bietet, jedoch ist sie in ihrer Flexibilität begrenzt, da sie hauptsächlich auf der Benutzeroberfläche basiert.
7. Personalisierung
Die Personalisierung in SAP ermöglicht es Benutzern, ihre Benutzeroberfläche und Arbeitsprozesse anzupassen, ohne dass tiefgreifende Programmierung erforderlich ist. Diese Technik konzentriert sich auf die individuelle Anpassung der Benutzererfahrung.
- Personalisierungsfunktionen: Benutzer können beispielsweise Feldbeschriftungen ändern, Datenfelder ein- oder ausblenden oder Favoriten anlegen.
- Vorteile: Die Personalisierung erfordert keine Programmierkenntnisse und ermöglicht es jedem Benutzer, SAP nach seinen Wünschen zu gestalten. Sie ist jedoch auf die Anpassung der Benutzeroberfläche beschränkt.
8. Tabellen-Erweiterungstechniken
SAP bietet auch die Möglichkeit, Tabellen zu erweitern, um zusätzliche Felder für benutzerdefinierte Daten zu speichern. Diese Technik wird häufig verwendet, wenn bestimmte Daten benötigt werden, die im Standard nicht vorgesehen sind.
- Techniken und Implementierung: Erweiterung von SAP-Tabellen kann über Custom Fields oder Add-Ons erfolgen, die direkt mit dem SAP-System verbunden sind.
- Verwendung: Diese Erweiterung wird oft in Szenarien eingesetzt, in denen zusätzliche Daten zu Geschäftsobjekten (z.B. Kunden, Lieferanten, Materialien) benötigt werden, die im Standard nicht vorhanden sind.
Abgrenzung der Technologien
- Customer-Exits vs. BADIs: Customer-Exits sind eine ältere Technologie, die zunehmend durch BADIs ersetzt wird. BADIs bieten eine objektorientierte, flexiblere und einfachere Methode der Erweiterung.
- BTEs vs. BADI/Customer-Exits: Während BTEs für die Erweiterung von Transaktionsprozessen (insbesondere im Finanzbereich) verwendet werden, ermöglichen BADIs und Customer-Exits eine breitere Erweiterung innerhalb des gesamten SAP-Systems.
- Enhancement Framework vs. Klassische Erweiterungen: Das Enhancement Framework stellt eine modernere und zukunftssichere Lösung für Erweiterungen dar und bietet eine strukturiertete Möglichkeit, Erweiterungen zu implementieren, die problemlos mit zukünftigen Updates kompatibel sind.
- Menü-Exits vs. Personalisierungen: Menü-Exits betreffen die Gestaltung der Benutzeroberfläche, während Personalisierungen eine individuellere Anpassung durch den Benutzer ermöglichen, ohne Programmierung.
Fazit
Die verschiedenen Erweiterungstechniken in SAP bieten eine Vielzahl von Möglichkeiten, das Standard-SAP-System den spezifischen Anforderungen eines Unternehmens anzupassen. Während klassische Techniken wie Customer-Exits und Menü-Exits nach wie vor verwendet werden, stellt das Enhancement Framework mit BADIs und Extension Points die bevorzugte Methode für moderne Erweiterungen dar. Gleichzeitig ermöglichen BTEs, BAPI und Personalisierungen eine flexible und effiziente Anpassung der Geschäftsprozesse und der Benutzeroberfläche. Jedes dieser Werkzeuge hat seine eigene Anwendung und Vorteile, abhängig von den spezifischen Anforderungen des Unternehmens.